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Konzepte und Kriterien

Verliert das PKV-Modell jetzt sein Gleichgewicht?

19. September 2013 - Wackelt die Gemeinsamkeit der 43 privaten Krankenversicherer hierzulande unter dem Verbandsdach des PKV? Beim 13. Continentale PKV-Forum sorgte diese Frage für Diskussionsstoff - ebenso wie die Provisions-Deckelung und Kooperation mit großen Vertrieben.

Helmut PoschDas Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherer wird derzeit kontrovers diskutiert - nicht nur im politischen Umfeld der nahen Bundestagswahl. Während des 13. Continentale PKV-Forums am Dienstag in Köln ging es ans Eingemachte, was die aktuellen Geschäfts- und Unternehmens-Modelle der Gesellschaften im Verband der privaten Krankenversicherung (www.pkv.de) anbelangt. Helmut Posch (Foto: Continentale), Vorstands-Chef des Versicherungsverbunds die Continentale (www.continentale.de), sprach sich für bedingungslose Transparenz und Ehrlichkeit aus, um die Zukunft und den Erfolg des PKV-Geschäftsmodells zu sichern.

Unter dem PKV-Dach würde die unterschiedliche Interessenslage der VVaG Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und der AG Aktiengesellschaften immer deutlicher zu Tage treten, so dass man die Zukunft eines gemeinsamen Branchen-Verbandes in Frage stellen könne. Man müsse die unterschiedlichen Rechtsformen auf jeden Fall weiter unter die Lupe nehmen, um gegebenenfalls rechtzeitig die Reißleine ziehen zu können. Es könnte darauf hinauslaufen, dass für jede Form eine eigene Interessenvertretung nötig werde.

 Harald Krauss Zum Auftakt der Podiumsdiskussionen beim 13. PKV-Forum sprach Harald Krauss (Foto rechts), Jurist und Vizepräsident für Deutschland der MEDI Monitoring European Distribution of Insurance (www.medi-site.eu), über die regulatorischen Eingriffe - vor allem für Vermittler - auf nationaler und europäischer Ebene. Mit der Novellierung der „IMD 2" Vermittlerrichtlinie und weiteren Änderungsforderungen rücke jetzt auch eine Provisions-Deckelung in den Fokus ("Überarbeitete Richtlinie wird für Vermittler teuer"). Ein regelrechter „Regulierungs-Tsunamie" müsse bewältigt werden. Eine Neuregelung der Vertriebsvergütungen hätten sich auch die Politiker auf iher Agenda geschrieben. Jedes Argument, das für eine Provisions-Deckelung spräche, bedeute Wasser auf die Mühlen der Europäischen Union. Harald Kraus betonte, dass sich in der europäischen Gesetzgebung eine Verlagerung der Verbraucherschutz-Interessen weg vom Produkt und hin zum Vertrieb abzeichne.

Provisions-Deckelung als Allheilmittel?
Hier hackte Continentale-Chef Posch nach. Die Provisions-Deckelung bei der Vermittlung privater Krankenversicherungen sei auf Bitten des PKV-Verbands von der Bundesregierung gesetzlich umgesetzt worden. Posch erinnerte daran, dass der Branche durch die Kooperation mit Großvertrieben die Provisionsgestaltung wohl aus dem Ruder gelaufen sei. Das hätten die Medien besonders groß herausgestellt. Nun gelte es, das angekratzte Image des PKV-Vertriebs und die damit verbundenen Negativschlagzeilen wieder auszumerzen. Ob die Provisions-Deckelung hier als Allheilmittel verstanden werden sollte, sei fraglich.

Transparenz und Ehrlichkeit, auf die bereits Poschs Vorgänger bei der Continentale, Rolf Bauer, gesetzt habe, müssten für Produkte und Vertrieb eine Selbstverständlichkeit wein. Dafür sei eine starke Stimme - auch gegenüber der Politik - eine „unabdingbare Notwendigkeit".

CONTINENTALE PKV-FORUM Während der zwei Podiumsdiskussionen mit unterschiedlichen Themen (hier eines der zwei Podien vom Dienstag Foto: Continentale), die inzwischen fester Bestandteil des PKV-Forums sind, wurden die unterschiedlichen Standpunkte der Fachleute deutlich. Im Schlagabtausch der Argumente standen sich unter anderem der Versicherungs-Journalist Marc Surminski vom Continentale-Expertenbeirat sowie Christian P. Mylius von Innovalue Management Partner, Markus Kiener vom Makler-Pool Fonds Finanz, PKV-Geschäftsführer Stefan Reker, BVK-Präsident Michael H. Heinz und Continentale-Vorstandsmitglied Christoph Helmich gegenüber. Michael H. Heinz, Präsident des BVK Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (www.bvk.de) zeichnete zum Thema „Krankenversicherungs-Vertrieb im Wandel" das Bild eines möglicherweise zukünftigen Vermittlers. Im Gegensatz zu heute - mit den ideologisch geprägten Institutionen werde der Vermittler von morgen ein „sorgfältiger und qualifizierter Verbraucherschützer", der den Kunden ein Leben lang begleitet.

Nicht der Preis sondern die Qualität als Verkaufs-Motivation
Markus Kiener kritisierte, dass private Krankenversicherungen lange „über den Preis" verkauft worden seien. Dias könne und dürfe aber nicht das ausschlaggebende Kriterium beim Vertragsabschluss sein. Bei der Beratung zu einer privaten Krankenversicherung dürften Qualitäts-Argumente nicht fehlen; sie müssten vielmehr die eigentliche Verkaufs-Motivation sein. „Wie sonst soll der Kunde das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung verstehen", resümierte Continentale-Chef Helmut Posch. (db / www.bocquel-news.de)

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