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Neue Kalkulationsansätze mit Gauss-Preis belohnt

11. Juni 2018 - Cybergefahren und die Kalkulationen daraus resultierender Schäden stellen Versicherer immer wieder vor große Herausforderungen. Ein dreiköpfiges Wissenschaftler-Team entwickelte neuartige Ansätze für die Berechnung von Cyberpolicen und wurde dafür mit dem 10.000 Euro dotierten Gauss-Preis ausgezeichnet.

„Bisher gelten viele Cybergefahren als kaum versicherbar, da vor allem Konzepte für die sachgerechte Kalkulation von Großschäden fehlen.

Diese Lücke schließt die preisgekrönte Arbeit von Prof. Dr. Stefan Weber und Kerstin Weske (Leibniz Universität Hannover) sowie Prof. Dr. Matthias Fahrenwaldt von der Heriot-Watt University in Edinburgh", sagte Prof. Dr. Ralf Korn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik (DGVFM), die den Preis zusammen mit der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (www.aktuar.de) vergibt.

Die Arbeit „Pricing of Cyber Insurance Contracts" der drei Aktuarswissenschaftler leiste damit einen herausragenden Beitrag, sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen gegen die materiellen Folgen von Cyberangriffen abzusichern, heißt es. Laut Europol verursachte Cyberkriminalität 2016 weltweit Schäden in Höhe von 450 Milliarden Dollar – allein 65 Milliarden davon in Deutschland. „Gerade durch den Siegeszug des Internets der Dinge wird diese Zahl in den kommenden Jahr zweifellos weiter deutlich steigen", skizzierte Prof. Korn den Bedarf nach entsprechenden Versicherungsprodukten auf der Preisverleihung beim Weltkongress der Aktuare (ICA 2018) in Berlin.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Dr. Felix Hentschel von der Universität Ulm. Er erhält den mit 2.000 Euro dotierten Gauss-Nachwuchspreis für seine Dissertation „Planning for individual retirement: optimal consumption, investment and retirement timing under different preferences and habit persistence". Darin verbindet er mikroökonomische Modelle im Bereich der Altersvorsorge mit empirischen Beobachtungen und leistet damit einen relevanten Beitrag zur Diskussion der optimalen Altersvorsorge. Insbesondere in Zeiten von Niedrigzinsen, erhöhter Lebenserwartung und sinkender gesetzlicher Rentenansprüche stellt dies nach Meinung der Fachjury ein Thema von hoher Praxisrelevanz für die Versicherungswirtschaft dar.

Hintergrund:
Besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Preisträger legte die Jury, die aus Vertretern von Wissenschaft und Berufspraxis besteht, zum einen auf mathematisch anspruchsvolle Ausführungen und Modelle, zum anderen wurde ein klarer Anwendungsbezug in der Praxis gefordert. Der Gauss-Preis wird seit 1998 alljährlich von der DGVFM und der DAV ausgeschrieben. Er soll Aktuare, Versicherungs- und Finanzmathematiker motivieren, sich mit ungelösten Fragen der Aktuarwissenschaft zu befassen.

Für weitere Einblicke in die Materie der Cyberpolicen stellte Professor Dr. Stefan Weber, Leibniz Universität Hannover, Fragen an die Preisträger Gauss - Preis 2017

1. Was waren nach Ihrer Analyse bisher die größten Hemmnisse bei der Entwicklung von Cyberpolicen?

Cyberpolicen stellen Versicherungsunternehmen aus mindestens drei Gründen vor Herausforderungen. Ersten sind im Gegensatz zu klassischen Risiken Daten nur in geringem Umfang und nicht in der gewünschten Granularität verfügbar. Zweitens handelt es sic h bei Cyberrisiken zumeist um nicht - stationäre Risiken: sowohl die Technologien als auch die mit diesen verknüpften Risiken ändern sich sehr schnell. Drittens sind Cyberrisiken oft Kumulrisiken - ähnlich wie bei Naturkatastrophen; jedoch gibt es nicht mehr die klassischen geographischen Abhängigkeiten, sondern stattdessen Schadenakkumulation in digitalen Netzwerken.

2. Sie haben mit Ihren Kollegen jetzt ganz neue Wege beschritten. Welche Risiken werden künftig dank Ihrer Forschungsergebnisse versicherbar sein?

Unser wesentlicher Beitrag liegt in der Entwicklung neuer aktuarieller Techniken für digitalen Netzwerke. Ohne derartige Methoden können versicherte Risiken nicht angemessen beurteilt werden. Wir betrachten speziell die Modellierung der Ausbreitung eines Cyberrisikos. Dies erlaubt nicht nur die Validierung von Risikobewertungen, sondern auch die Entwicklung von effektiven Gegenmaßnahmen.

3. Welche weiteren Schritte müssen unternommen werden, um die Versicherungsdichte mit Cyberpolicen zu erhöhen?

Lloyd’s of London schätzt, dass Cyberrisiken bereits jährlich mindestens Schäden im Umfang von 400 Milliarden US-Dollar verursachen und rapide wachsen. Diese Größenordnung macht deutlich, dass sich der Markt substantiell entwickeln wird. Aufgrund der Komplexität dieses Risikotyps erwarten wir, dass insbesondere Cyber-Assistance-Leistungen einen wichtigen Produktbaustein bei der Absicherung von Cyberrisiken für Unternehmen darstellen werden. Für diese ist es wichtig, ganzheitliche Risikomanagementsysteme zu entwickeln.

Dabei wird entsprechende aktuarielle Unterstützung nachgefragt werden. Eine zentrale Aufgabe für Versicherungsunternehmen wird es zudem sein, Datenbanken zu Cyberschäden aufzubauen und Modelle zur Quantifizierung und Prämienberechnung weiterzuentwickeln. (-ver / www.bocquel-news.de)

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