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Kompetenzbündelung bekommt der Munich Re gut

10. August 2017 - „Alles, was der Generierung von Geschäft im Weg steht, hinterfragen wir kritisch“, sagte gestern der neue CEO der Munich Re. Mit der Halbjahres-Bilanz zeigt er sich zufrieden. Die Erstversicherungstochter Ergo lieferte erstmals wieder schwarze Zahlen mit einem komfortablen Plus von 195 Millionen Euro.

„Munich Re liefert, Ergo liefert und Meag Munich Ergo Assetmanagement liefert“, mit diesen Worten eröffnete Joachim Wenning gestern seine erste Pressekonferenz als neue Vorstandsvorsitzende der Munich Re (www.munichre.com). Es stand der Halbjahres-Konzernbericht an. „Sowohl das Quartalsergebnis als auch das Ergebnis des gesamten 1. Halbjahres sind sehr erfreulich. Munich Re ist auf einem sehr guten Weg, das gesetzte Gewinnziel für 2017 in Höhe von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro zu erreichen. Unsere Strategie stimmt und wir können uns auf deren Umsetzung durch Erschließen profitablen Neugeschäfts konzentrieren.“ Weniger Großschäden, nicht so häufige Naturkatastrophen und kaum von Menschen verursachte Schäden sorgten im ersten Halbjahr 2017 für ein ausgeglichenes versicherungstechnisches Ergebnis, das allerdings unter dem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums lag.

Allerdings spüre der weltweit größte Rückversicherer weiterhin den Druck, der die gesamte Branche seit mehr als sieben Jahren mit Beginn der Niedrigzinsphase, dass branchenfremden Investoren – wie etwa Hedgefonds und Pensionsfonds - viel Geld in den Markt pumpen auf der Suche nach besseren Renditen. Die Munich Re werde auch mit dem jetzt neuen CEO weiterhin eher auf Geschäft verzichten, als Risiken zu nicht kostendeckenden Preisen zu versichern. Ertrag vor Geschäft. „Zudem gibt es immer noch Opportunitäten im Rückversicherungsmarkt, bei denen das Verhältnis von Risiko zu Ertrag stimmt“, sagte Wenning. „Wir stehen für gut gematchte Positionen, andere Risiken nehmen wir nicht so gern“, ergänzte Jörg Schneider, der im Munich Re Vorstand unter anderem für Financial and Regulatory Reporting zuständig ist.

Derzeit spricht man weiterhin weltweit von einem „weichen“ Rückversicherungsmarkt. Dabei war das Prämienvolumen in der Erneuerungsrunde der Munich Re im April rückläufig. Der Wettbewerb drückte auch auf die Preise, die leicht nachgaben, als jetzt im Juli die die Verträge auf dem US-Markt sowie für Australien und Lateinamerika neu verhandelt wurden.

Während der Rückversicherer im ersten Quartal noch ein Ergebnisplus meldete, sank der Gewinn im zweiten Quartal von 974 Millionen Euro auf 733 Millionen Euro. Die Munich Re verdiente - die beiden Quartale zusammengenommen - rund 1,3 Milliarden Euro, aber rund 8,6 Prozent weniger als im vergleichbaren ersten Halbjahr 2016.

Neuer Claim „We drive business as one“
Joachim Wenning betonte, bezugnehmend auf den gestern erstmals im neueröffneten Tagungszentrum der Munich Re – und dort im Raum „Europa“ - öffentlich mit großen Lettern an die Wand geworfenen neuen Claim „We drive business as one“ – (engl. frei übersetzt ‚Unsere Geschäftsfelder sind eins‘), dass in beiden Geschäftsfeldern der Munich Re Gruppe vielfältige Möglichkeiten bestehen. „Durch die Bündelung unserer Kompetenzen in der Rück- und Erstversicherung wird Munich Re die digitale Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette konsequent vorantreiben.“

So zeigte sich Wenning auch mit den Ergebnissen der Ergo Group AG (www.ergo.com) sehr zufrieden. Erstmals wieder schwarze Zahlen. Ergo hat geliefert. „Das vor rund einem Jahr gestartete Ergo Strategieprogramm entwickelt sich gut. Wir liegen im Plan bei der Umsetzung der Maßnahmen wie auch bei der angestrebten Ergebnissteigerung.“ Noch im ersten Halbjahr 2016, da war Markus Rieß ganz frisch als Ergo-Chef an der Unternehmensspitze, hatte die Munich-Re-Tochter aus Düsseldorf noch einen Verlust von 30 Millionen Euro melden müssen; jetzt im ersten Halbjahr 2017 glänzte Rieß mit einem komfortablen Plus von 195 Millionen Euro – in dem auch eine Steuergutschrift über rund 50 Millionen Euro enthalten ist.

Von den ersten Früchten des neuen Strategieprogramms „Ergo 21 - fit, digital, erfolgreich“ wollte Markus Rieß noch nicht so ausdrücklich sprechen, doch er sei sehr zufrieden, dass beispielsweise bereits jetzt 75 Prozent des gesamten Stellenabbaus vollzogen wurden (bocquel-news 2. Juni 2016 Ergo streicht 1.835 Stellen und investiert 1 Milliarde €).

In Sachen Digitalisierung, das Gebot der Stunde in der gesamten Branche, sei man zwar schon länger unterwegs, doch im Oktober werde hier ein neuer Meilenstein erreicht – mit dem neuen komplett digitalen Versicherer Nexible. Derzeit laufe hier ein „Friends-and-Family-Test – ganz zufriedenstellend, wobei auch bereits ein Autounfall nach der neuen Art bearbeitet wurde. Rechtzeitig zur Kfz-Wechselsaison im Herbst werde Nexible offiziell an den Start gehen - mit Auto- und Haftpflichtversicherungen. Rieß betonte, dass man da noch sehr viel lernen wolle, so dass auch ein etwaiger „nur moderater“ Geschäftsverlauf bis zum nächsten Jahr durchaus nicht enttäuschen werde. Was den gesamten Umbau der Ergo Gruppe betrifft, sagte Rieß: „Wir haben jetzt ein Jahr geschafft. Aber es liegt noch ein langer Weg vor uns.“ Bis zum Jahr 2021 will Ergo einen nachhaltigen Ergebnisbeitrag von mehr als 600 Millionen Euro jährlich zum Konzernergebnis beizusteuern.

Derzeit werde auch wieder in jedem Segment Geld verdient. Die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) im internationalen Geschäft, die im zweiten Quartal des vergangenen Jahres bei ungünstigen 101,5 Prozent lag, ist auf 98,7 Prozent gesunken.

Das Ergebnis im Geschäftsfeld Rückversicherung der Munich RE wurde für das zweite Quartal 2017 mit 629 Millionen Euro angegeben. Im vergleichbaren Zeitraum 2016 waren hier noch 991 Millionen Euro verbucht worden. Von Januar bis Juni steuerte die Rückversicherung 1,095 (1.440) Milliarden Euro zum Konzernergebnis bei. Das operative Ergebnis betrug im zweiten Quartal 896 (999) Millionen Euro. Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied von Munich Re, erklärte dazu: „Wir sehen Potential für profitables Wachstum, nicht nur durch innovative Lösungen oder neue digitale Geschäftsmodelle, sondern auch im traditionellen Bereich. Die Versicherungslücke ist selbst in entwickelten Märkten gewaltig. Entsprechend bestehen auch im derzeitigen Marktumfeld Chancen, profitables Geschäft zu zeichnen.“

Munich Re trennt sich auch von unprofitablem Geschäft, sagte Jeworrek. Beispielsweise habe man in der Lebensrückversicherung großvolumigen Vertrag eines amerikanischen Kunden aufgelöst. Das habe man im Ergebnis dieses Geschäftsfeldes gespürt. Jörg Schneider ergänzte, dass weitere Verträge folgen könnten, deshalb habe die Munich Re ihre Ergebniserwartung für das Lebensrückversicherungssegment von bisher 450 Millionen Euro auf 400 Millionen Euro gesenkt.

Was die Zusammenarbeit mit InsurTechs und neuen Produkte – wie etwa die Cyberversicherung – angeht, sieht man bei der Munich Re auch hier Wachstumschancen. Derzeit habe man ein Prämienvolumen von 260 Millionen Euro aus der Rück- und Erstversicherung von Cyberrisiken verbucht. Das entspreche etwa einem Marktanteil von 10 Prozent. In fünf Jahren soll sich das Prämienvolumen hier laut Torsten Jeworrek verdreifachen.

„Wir hinterfragen kritisch“
Bei aller freundlichen Zufriedenheit, die gestern während der Pressekonferenz in München herrschte, machte der neu Munich-Re-Chef Wenning doch klar, dass man im Konzern alle Geschäftsbereiche genau prüfen werde. „Alles, was der Generierung von Geschäft im Weg steht, hinterfragen wir kritisch“, sagte er. Aus diesem Grunde habe man auch entschieden, dass sich die Ergo aus dem italienischen Markt zurückziehe. Hier ergänzte Rieß, dass der Plan, die klassische Lebensversicherung in Deutschland zu „verkapseln“, auf gutem Weg sei. Es soll vom vertrieblichen Neugeschäft getrennt werden. Dazu werde es innerhalb der Organisation eine eigene Gesellschaft geben, die Rieß aber nicht als Run-off-Unternehmung, sondern als eine Art Kapsel verstanden wissen will. Hier sollen insgesamt 1.000 Mitarbeiter verbesserte Steuerungsmöglichkeiten nutzen. Das erhöhe die Transparenz im Geschäft Leben Klassik und verkürze Entscheidungswege innerhalb der Organisation.

Wachstum auch in anderen Märkten
In anderen Märkten - wie beispielsweise Indien - setzt der Ergo auf Wachstum, was auf anderem Weg auch von der Konzernmutter Munich Re unterstützt werde. Joachim Wenning: „Wir gehen unaufgeregt das Portfolio durch.“ Man könne sich auch Zukäufe vorstellen, eher in der Erst- als in der Rückversicherung. Aber auch hier „nicht um jeden Preis“.

„Wir setzen uns nicht unter Druck“, sagte der Munich-Re-Chef. „Wir warten auf die richtige Gelegenheit.“ Schließlich fasste Wenning zusammen: „Die Ambition ist, die Erträge im kommenden Jahr auf dem Niveau von 2017 zu stabilisieren und anschließend weiter zu steigern.“

Unverändertes Konzernziel für das laufende Geschäftsjahr
Für das gesamte Geschäftsjahr 2017 geht man bei der Munich Re von einem unveränderten Konzernziel von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro Gewinn aus. Die Gewinnerwartung für die Ergo Gruppe wird demnach auf 200 bis 250 Millionen Euro (bislang: 150 bis 200 Millionen Euro) angehoben. Die übrigen Erwartungen für 2017 haben sich im Vergleich zu der Mitteilung im ersten Quartal nicht verändert. Munich Re rechnet für das Geschäftsjahr 2017 weiterhin mit gebuchten Bruttobeiträgen zwischen 48 und 50 Milliarden Euro. (-el / Fotos E. Bocquel / www.bocquel-news.de)

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