logo

Namen und Nachrichten

Generali-Viridium-Deal als Blaupause für die Branche

9. Juli 2018 - Ist der externe Run-Off von Versicherungsbeständen über sogenannte Abwicklungsplattformen alternativlos? Während die Fachwelt sich darüber streitet, zeigen FitchRatins und die Versicherungsberatung Willis Towers Watson Deutschland die positiven Aspekte des Generali-Viridium-Deals von vergangener Woche auf.

„Der Run-Off als strategische Handlungsoption für Versicherer bewegt die Gemüter, verständlicherweise. Finanziell aber ist er häufig sinnvoll – für Versicherer und Kunden“, sagt Michael Klüttgens, Leiter Versicherungsberatung Willis Towers Watson Deutschland (www.willistowerswatson.com/de-de). Das Modell eines externen Run-Offs von Bestän-den in der Lebensversicherung – wie ver-gangene Woche mit 4 Millionen Verträgen der Generali Lebensversicherung gesche-hen - ist höchst umstritten (siehe bocquel-news.de 5. Juli 2018 Viridium kauft Generali Leben - ein Milliarden-Deal). Dennoch könnten die aktuellen Ereignisse den Bann für den deutschen Versicherungsmarkt nun brechen und weitere Nachahmer auf den Plan rufen, ist sich Michael Klüttgens sicher.

Dem stimmt auch die international tätige Agentur FitchRatings (www.fitchratings.com) sieht den externen Run-off nach dem angekündigten Verkauf der Generali Lebensversicherung an den Abwicklungsspezialisten Viridium im Aufwind. FitchRatings geht davon aus, dass 25 Prozent der Deckungsrückstellungen der geschlossenen Leben-Bestände in Deutschland in Höhe von 130 Milliarden Euro von externen Spezialisten und der Rest intern verwaltet werde. Die Prognose des britischen Ratinghauses: Bis 2022 wird der externe Anteil auf 50 Prozent der dann auf 180 Milliarden Euro gestiegenen Rückstellungen wachsen.

Michael Klüttgns hebt in seiner Einschätzung hervor, dass es nicht immer nur die eine einzige Lösung geben müsse, denn der Markt kenne durchaus Alternativen zum Run-Off über eine externe Abwicklungsplattform. Laut Klüttgens befinden sich de facto bereits mehr Versicherungsbestände im Run-Off als öffentlich wahrgenommen. So bieten viele Gesellschaften das klassische Geschäft mit Lebensversicherungen gar nicht mehr an, sondern haben Produkte mit alternativen kapitalschonenderen Garantiekonzepten im Programm – der alte Bestand läuft aus.

Weitreichender sei die Entscheidung für den vollständigen Run-off eines Versicherers allemal, denn eine rechtliche Einheit wird kein Neugeschäft mehr schreiben. Wie der Versicherungsberatungs-Experte von Willis Towers Watson Deutschland erklärt, kann die Run-off Entscheidung die alleinige Konsequenz haben, dass das Neugeschäft in einer anderen Gesellschaft gezeichnet wird, wenn das Versicherungsunternehmen Teil einer Gruppe ist.

Der Vertrieb müsse sich entsprechend umstellen, behält jedoch eine vergleichbare Produktpalette. Wenn eine Gruppe beispielsweise entscheidet, kein Lebensversicherungsgeschäft mehr zu schreiben, dann sind laut Michael Klüttgens die Konsequenzen für den Vertrieb ungleich gravierender.

„Der externe Run-Off – wie jüngst bei der Basler oder der Arag Leben und nun bei der Generali – zieht von allen Optionen die größte Aufmerksamkeit an sich, denn ein Bestand wird in fremde Hände gegeben. Doch ist die Kritik von Medien und Verbraucherschützern gerechtfertigt?“ fragt sich der Spezialist Klüttgens.

Er zitiert, dass Unternehmen wie Viridium, Athene oder Frankfurter Leben eigenen Argumenten zufolge deutlich effizienter arbeiten. So würden Kostenüberschüsse entstehen, die auch den Versicherungsnehmern ausgezahlt werden können. Und: Die Kapitalanlage mag ertragsorientierter gestaltet werden. Auch davon profitiert der Versicherungsnehmer, da diese Überschüsse zum großen Teil an ihn weitergegeben werden. Die Nutznießer des externen Run-Offs sind also neben den Versicherern und den Plattformen vor allem auch die Kunden: Sie behalten die Sicherheit ihrer Garantien und haben darüber hinaus noch Chancen auf höhere Überschüsse.

Alternativen zum externen Run-Off?
Während der externe Run-Off die Gemüter jedoch immer wieder erhitzt und die Versicherungsbranche diesbezüglich auch kommunikativ nicht ausreichend transparent gewesen ist, rückt laut Michael Klüttgens noch eine weitere Option ins Blickfeld: Das Geschäft bleibt rechtlich in den Büchern des Versicherers, doch wirtschaftlich wird es durch Auslagerung des Betriebs übertragen. Hierbei übernimmt ein Versicherer die Vertragsverwaltung für andere Versicherer, ergänzt um eine Rückversicherungslösung, die einen Transfer aller Risiken inklusive der Kapitalmarktrisiken abdeckt. Die Vereinbarung zwischen dem Versicherungsnehmer und seinem ursprünglichen Versicherer bleibt damit erhalten – und dennoch kann durch Outsourcing eine Effizienzsteigerung erzielt werden.

Das Fazit des Spezialisten von Willis Towers Watson Deutschland: Wenn Innovationen ausbleiben, müssen Effizienzsteigerungen her. Ganz gleich, welche dieser Run-Off-Optionen im Einzelfall gewählt wird: Am Ende stehen die Interessen des Versicherungsnehmers und der auszuzahlenden Garantien im Fokus. Um diese zu wahren, bedarf es in Zeiten von Niedrigzins, Kostendruck und zunehmender Zwänge durch Regulierung einer effizienten Strategie für das Bestands-Management. „Und daher werden wir auch in Zukunft – nach dem jüngsten weitreichenden Schritt sicher vermehrt – weitere Transaktionen sehen, in denen sich einzelne Versicherer von Lebensversicherungsbeständen oder Teilen ihrer Bestände trennen werden“, sagt Michael Klütgens.

Auch FitchRatings sieht das so und ergänzt, dass die Lebensversicherer wegen der Niedrigzinsen auf Produkte mit geringeren Garantien umsteigen und die klassischen Bestände für das Neugeschäft schließen.

FitchRatins erwartet eine Zunahme des externen Run-offs vor allem, weil die Anbieter die Verwaltungskosten zunehmend als Last empfinden.

Es sei sogar anzunehmen, dass der jüngste Deal zwischen Viridium und Generali Leben das Eis brechen könnte. In diesem Zusammenhang hatte auch der Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani gesagt, dass das aktuelle Geschäft eine Art Blaupause und Vorbild für andere Übernahmen im deutschen Markt werden könnte.

FitchRatings teilt dazu mit, dass der Verkauf des Generali-Lebengeschäfts keine Auswirkung auf das Fitch-Rating der Generali und der Generali Deutschland haben werde, das bei ‚A-‘ mit stabilem Ausblick liege. FitchRatins rechnet mit positiver Entwicklung für das Zinsrisiko und die Eigenkapitalposition des Verkäufers. (-el / www.bocquel-news.de)

Achtung Copyright: Die Inhalte von bocquel-news.de sind nach dem Urheberrecht für journalistische Texte geschützt. Die Artikel sind ausschließlich zur persönlichen Lektüre und Information bestimmt. Abdrucke und Weiterverwendung - beispielsweise zum kommerziellen Gebrauch auf einer anderen Homepage / Website oder Druckstücken - sind nur nach persönlicher Rücksprache mit der Redaktion (info@bocquel-news.de) gestattet.


Link zum Artikel: http://www.bocquel-news.de/Generali-Viridium-Deal-als-Blaupause-für-die-Branche.37750.php