31. Juli 2023 - Die Lage um den brennenden Frachter „Fremantle Highway“ beladen mit 498 E-Autos hat sich etwas entspannt – mit seinem vorläufigen Ankerplatz in den niederländischen Wattenmeer-Inseln Ameland und Schiermonnikoog. Der Schaden ist immens, doch für den Transport von Elektroautos gibt es keine zusätzlichen Sicherheitsvorschriften.
Das Frachtschiff „Fremantle Highway" sei ohne Probleme zu seinem neuen Standort 16 Kilometer nördlich der niederländischen Wattenmeer-Inseln Ameland und Schiermonnikoog geschleppt worden, teilte die für Wasserwege zuständigen Behörde Rijkswaterstaat am Montag mit. Dort soll das Schiff - mit knapp 3.800 Neuwagen beladen - nun inspiziert werden.
Bisher ungewöhnlich hatte der Frachter aber auch 498 E-Autos geladen, von denen vermutlich bei einem die Akkus zu dem Feuer geführt hatte. Über den immensen Schaden sagen Experten noch nichts. Sie werden jetzt versuchen sich einen Überblick über das immer noch schwelende Feuer auf dem Frachter zu bekommen.
Für den Transport von Elektroautos gibt es keine zusätzlichen Sicherheitsvorschriften. Das teilte ein Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR) gegenüber heise online mit. Bisher sei keine erhöhte Gefahr nachgewiesen worden, die von Elektroautos ausginge. Da sich in jüngster Zeit aber einige Schiffsbrände ereigneten, prüft die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) der Vereinten Nationen momentan, ob es notwendig sei, die Vorschriften für den Transport von Fahrzeugen im Allgemeinen anzupassen. Auch der niederländische Reederverband KVNR weist darauf hin, dass Batteriebrände für die internationale Schifffahrt als Problem erkannt wurden und sich eine IMO-Arbeitsgruppe darum kümmert.
Es wird vermutet, dass der Brand auf dem Autofrachter ‚Fremantle Highway‘ in der Nacht auf Dienstag vergangener Woche vor der niederländischen Küste durch ein Elektroauto verursacht wurde. Momentan befindet sich der Frachter 17 Kilometer vor der niederländischen Insel Terschelling im Schlepptau des deutschen Schleppers ‚Fairplay 30‘. Das Feuer habe nachgelassen, momentan werde ein Einsatzplan erarbeitet, schreibt die niederländische Küstenwache in ihrem Liveblog. Sie sammele momentan Informationen dazu, wie viele Elektroautos sich an Bord befinden. Bisher gebe es dazu widersprüchliche Zahlen, anfangs war von 25 E-Autos die Rede, mittlerweile wird von 500 berichtet.
Das deutsche Havariekommando (www.havariekommando.de/DE/), das die Niederlande unterstützt, geht davon aus, dass die Schiffsstruktur von dem Feuer stark beschädigt wird. Es sei möglich, dass das Schiff sinkt und auch, dass dabei Schadstoffe freigesetzt werden. Wegen der starken Hitze- und Rauchentwicklung konnten bisher keine Feuerwehrkräfte mehr an Bord abgesetzt werden.
Reederei will keine Elektroautos mehr transportieren
Für den allgemeinen Brandschutz müssen alle international operierenden Fähr- und Frachtschiffe wie Autotransporter allgemeine Bau- und Brandschutzbestimmungen einhalten, wie sie die IMO (International Maritime Organization) im Internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) festgehalten hat, erläuterte der VDR-Sprecher weiter. Für Fährschiffe (RoPax) habe die IMO diese Vorgaben vor kurzem noch einmal erweitert. Beispielsweise wurde beschlossen, zusätzlich zu den bereits vorhandenen Brandmeldeanlagen Wärmemelder und Videoüberwachung auf Fahrzeugdecks einzubauen sowie für die Brandbekämpfung zusätzliche Wassermonitore.
Das norwegische Unternehmen Havila Kystruten hatte Anfang dieses Jahres als erste Reederei beschlossen, keine Elektroautos mehr auf seinen Fähren zu transportieren. Sie begründete es mit Sicherheitsbedenken, der Brand eines Elektro-, Hybrid- oder Wasserstoffautos würde einen besonders aufwendigen Rettungseinsatz erfordern.
Bereits schon einmal brannte E-Auto auf einem Autofrachter
Zuvor war im Februar 2022 auf dem Autofrachter „Felicity Ace" auf dem Weg von Emden nach Davisville in den USA ein Brand ausgebrochen. Der Frachter hatte mehrere Tausend Volkswagen-Autos geladen, darunter auch viele Luxusautos. Da der Frachter im März 2022 sank, konnte die Brandursache nicht sicher festgestellt werden. Es wird vermutet, dass eines der vielen E-Autos den Brand ausgelöst haben könnte. Aus dem Schaden durch den Brand und den Untergang der ‚Felicity Age‘ hat sich vermutlich ein Versicherungsschaden von mehr als 400 Millionen Euro ergeben.
„E-Autos brennen nicht häufiger, aber andere"
Die deutsche Versicherungswirtschaft betont, sie könne aus ihrer Statistik keine Unterschiede in der Brandhäufigkeit zwischen E-Autos und Verbrennern feststellen. „Die Behauptung, dass E-Autos häufiger brennen als Verbrenner, können wir in unserer Statistik nicht verifizieren", betonte ein Sprecher des GDV Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (www.gdv.de) gegenüber ‚heise online‘. Damit bekräftigt der Verband eine Einschätzung, die er bereits vor gut zwei Jahren zum Thema Brandgefahr von Elektroautos abgegeben hatte.
Statt sich zu weigern, Elektroautos an Bord zunehmen, sollten die Reedereien auf ihren Schiffen lieber bessere Löschanlagen installieren, forderte der GDV im Februar dieses Jahres. E-Autos würden nicht öfter, aber anders brennen. Die herkömmlichen, oft 50 Jahre alten Löschsysteme auf Autotransportern und Containerschiffen würden Feuer mit COâ‚‚ ersticken. Solche Systeme seien beim Brand von Lithium-Ionen-Akkus wirkungslos. Sinnvoller sei in solchen Fällen etwa, Wassernebel zu versprühen. Dadurch werde ein Batteriebrand zwar auch nicht gelöscht, aber verhindert, dass er auf benachbarte Ladegüter übergreift.
E-Autos - eine reale Gefahr?
Elektroautos an Bord seien zwar eine reale Gefahr, erläutert Uwe-Peter Schieder, Experte für die Sicherheit der Seeschifffahrt im GDV, aber keine größere als viele andere transportierte Güter. „Lithium-Ionen-Akkus finden sich zudem in vielen Geräten, zum Beispiel in Smartphones, Laptops, Pedelecs oder Werkzeugen. Sie werden heute wohl kaum noch ein Containerschiff finden, das auf seiner Reise keine Lithium-Ionen-Akkus geladen hat", heißt es beim GDV.
Autofähren brennen häufiger
Die Schadenbilanzen der internationalen Transportversicherer, der Nordic Association of Marine Insurers (Cefor), zeigen laut GDV, dass jährlich auf 1,5 Prozent der Autofähren Feuer ausbricht. Bei Schüttgutfrachtern, Containerschiffen oder Tankern beträgt die Quote 0,3 bis 0,5 Prozent, reine Passagierschiffe liegen bei knapp einem Prozent. Die Gefahr gehe allgemein von Autos aus, der GDV verweist nicht eigens auf Elektroautos. „Fast 80 Prozent der untersuchten Brände auf Autofähren zwischen 1994 und 2011 gingen von einem Fahrzeug an Deck aus. Allein in Brand geratene Aggregate von Kühltrailern waren für mehr als 25 Prozent der Vorfälle verantwortlich."
„Ist an Deck erstmal Feuer ausgebrochen, wirken die Planen, die Ladung und die Treibstofftanks der dicht an dicht stehenden Lkw wie Brandbeschleuniger. Die Mannschaft kann den Brand also entweder sehr schnell kontrollieren oder gar nicht", erklärt Schieder. Der Einsatz großer Mengen Löschwassers werde durch die Bauweise der Autofähren erschwert. „Das Löschwasser muss auch schnell wieder vom Deck abfließen können, sonst können große Wassermengen auf einem Fahrzeugdeck zu gefährlichen Schlagseiten führen." Deswegen ist auch das Feuer auf der ‚Fremantle Highway‘ schwer zu löschen.
Bergungsexperten sollen nun so rasch wie möglich an Bord gehen und den Zustand des Schiffes überprüfen. Vorsorglich bleibe es an den Schleppern befestigt. Auch ein Spezialschiff zum Auffangen von Öl bleibt demnach in der Nähe.
„Fremantle Highway" auf dem Weg von Bremerhaven nach Ägypten und Singapur
Das unter der Flagge Panamas fahrende Frachtschiff war auf dem Weg von Bremerhaven nach Ägypten und Singapur, als in der Nacht zum Mittwoch ein Feuer an Bord ausbrach. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, 22 Menschen konnten von Bord des Schiffes gerettet werden - einige Crewmitglieder sprangen über Bord. Alle Verletzten konnten niederländischen Medien zufolge inzwischen das Krankenhaus wieder verlassen.
Niederländische Behörden ließen verlautbaren. dass die „Fremantle Highway" unter der Wasserlinie noch intakt sei. Sollte der Frachter an seinem neuen Ankerplatz auseinanderbrechen oder sinken, könnte er aber immer noch für eine Ölpest sorgen, warnte der Meeresschutzexperte Kim Detloff vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am Montag im Bayerischen Rundfunk. (-el / www.bocquel-news.de)
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